Yonis, Vulvas, Vaginas - Schönheiten und Schönheitswahn

Das weibliche Geschlecht zwischen Rasurzwang, funktionieren müssen und Idealbild.

Mit einem weiblichen Körper aufgewachsen und sozialisiert habe ich nie Yonis anderer Frauen zu sehen bekommen. Frauen vergleichen sich nicht im Umkleideraum á la wer hat die schönste Yoni oder zeigen sie sich gegenseitig. Viele wissen nicht einmal, wie sie selbst aussehen oder können die unterschiedlichen Bereichte in der Yoni anatomisch korrekt benennen. Ich hatte das Glück, durch die Tantramassage-Ausbildung zunächst Fotos und schließlich reale Yonis anderer Frauen sehen und auch berühren zu dürfen.

 

Es war spannend zu bemerken, dass zunächst eine Art Überforderung oder gar Ablehnung in mir ausgelöst wurde, als ich das erste Mal Yoni-Bilder gesehen habe. Ich habe mich fast nicht getraut, hinzuschauen. Als ob ein riesiges gesellschaftliches Tabu über dem weiblichen Geschlechtsteil schweben würde. Schließlich wandelte sich mein Blick in ein liebevolles Staunen. Unsere Yonis sind so einzigartig, vielfältig und unterschiedlich. Jede Frau hat eine für sich ganz individuelle und schöne Vulva, die keiner anderen gleicht.

 

Im Schamanismus gibt es Medizinräder, die die Yonis den Himmelsrichtungen zuordnen. Die Nordfrauen haben beispielsweise eher schmale und lange innere Charme-Lippen während diese bei West-Frauen tendenziell eher groß und "runzlig" ausgeprägt sind. Wer entscheidet nun, was schöner ist? Möchte der Bambus genau so aussehen wie eine Eiche? Die Idee ist absurd, doch wir vergleichen uns ständig mit anderen und können dabei nur verlieren, da es immer jemanden geben wird, der intelligenter, schlanker oder jünger ist als wir selbst.

 

Umso schmerzhafter ist es heute für mich, Berichte oder Artikel von Frauen zu lesen, die sich ihre Yonis operativ "verschönern" lassen. Für mich entsteht hier ein Bild von freiwilliger und gesellschaftlich anerkannter, wenn nicht sogar gewollter, Beschneidung.

 

Schauen wir woher diese Ideale kommen. Die Medien vermitteln uns das Bild, das Frauen immer enthaart, gut riechend, makellos und gertenschlank sein müssen, um als attraktiv zu gelten und geliebt zu werden. So entstehen in uns Frauen unerreichbare Schönheitsideale, denen wir hinterher rennen müssen, aber sie nie erreichen werden. Schnell entsteht in uns das Bild, uns unseres Körpers schämen zu müssen. Wie sich das Ganze auf unsere Selbstliebe und Selbstakzeptanz auswirkt, sei nur am Rande erwähnt. So werden Tausende Euro in körperliche  Selbstoptimierung investiert, ohne die Wurzel des Ganzen anzugehen. Wie in der Medizin so weit verbreitet, werden lediglich die Symptome behandelt, anstatt zu den Ursachen vorzudringen.

 

Ich möchte jeder Frau durch meine Sessions das Gefühl mitgeben, dass sie einzigartig und wunderschön ist, so wie sie ist. Wenn Frauen wieder einen liebevollen Blick für sich selbst entwickeln, ihr Körpergefühl wiederherstellen und ihre eigene Schönheit erkennen und anerkennen können, braucht es keine operativen Verstümmelungen mehr und das lukrative Geschäft damit, welches die Minderwertigkeitskomplexe der Frauen ausnutzt, entfällt.