Warum sollte man sexuelle Muster auflösen?

"Gibt es diese überhaupt? Ich habe doch Spaß beim Sex, auch wenn es oft ähnliche Themen in der Begegnung mit den jeweiligen Menschen gibt."

Der erste Schritt ist sicherlich zu erkennen, dass man ein sexuelles Muster hat, welches sich zu wiederholen scheint. Manche Menschen brauchen sich keine Gedanken dazu zu machen oder gewisse Dinge hinterfragen, da sie sie für gegeben halten und sich weder daran stören noch es ihnen auffällt. Doch sobald Unzufriedenheit, Langeweile oder Leid entsteht, macht es Sinn, Licht ins Dunkle zu bringen um aus dem ewigen Kreislauf aussteigen zu können.

 

Schwierig kann es beispielsweise werden, wenn man im Partner die absolute Erfüllung sucht, sein eigenes Glück von diesem abhängig macht und sein Leben und seine Vorlieben für die Beziehung aufgibt. Der Wunschpartner steht als Sinnbild für die eigenen Projektionen und Wunschvorstellungen. Alle positiven Eigenschaften sind in ihm vereint, wir überhöhen ihn oder machen unseren Selbstwert von ihm abhängig. Meines Erachtens kann daraus keine Beziehung entstehen in der sich beide auf Augenhöhe begegnen. Einer ist bildlich gesprochen immer "kleiner" als der andere.

 

Sexuelle Muster sind nicht nur in Beziehungen sichtbar, wir finden sie in allen erotischen Begegnungen (ob real oder Fantasie) wieder.

 

Jack Morin beschreibt in seinem Buch "Erotische Intelligenz" sehr gut, wie wir Kindheitserlebnisse oder -traumata verarbeiten und diese in erotischen Situtationen immer wieder als Erwachsene durchleben. Angst, Scham oder Wut werden unbewusst in Erregung übersetzt, sodass wir wie gebannt von manchen Fantasien sind.

 

Zur Veranschaulichung ein Szenario: ein Mann, der als Kind von seinen Mitschülern immer wieder bloßgestellt und in peinliche Situationen gebracht wurde. Seine Fantasie als Erwachsener besteht darin, sich vor Fremden in seiner Sexualität zu zeigen und sich zu präsentieren. Die Reaktion der ungewollten Voyeure (Irritation, Ablehnung) erregen ihn so stark, dass es ihm nicht möglich ist von dieser Verhaltensweise loszukommen. Beim realen Sex mit Frauen erreicht er nicht mal ansatzweise diese hohen Erregungszustände, die er in seinem Exibitionismus erlebt.


Es ist vorstellbar, dass besagter Mann auf Dauer Probleme mit dem Gesetz bekommen könnte, da exibitionistische Handlungen öffentlich unerwünscht sind und zur Anzeige gebracht werden können. Wenn er aus dieser Dauerschleife aussteigen möchte, macht es Sinn zu den Wurzeln seiner Fantasien zu gehen. Gemeinsam anzuschauen, woher diese starke Erregung kommt und wie er Erregung wieder in seiner Partnerschaft erlebbar machen und genießen kann.